Das KrisenFEST zum Katastrophenschutz
(22. September 2026)
Am 19. September 2026 fand auf dem Rathausplatz die erste Informationsveranstaltung zum Katastrophenschutz „KrisenFEST“ statt. Mit der Umsetzung dieses Formats, das auf einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung (SVV) aus dem Jahr 2025 zurückgeht, nimmt die Stadt Hohen Neuendorf im regionalen Umfeld eine Vorreiterrolle ein. Auf dem Rathausplatz präsentierten Feuerwehr und das Technische Hilfswerk (THW) verschiedene Einsatzfahrzeuge. An den Infoständen des Landkreises Oberhavel, der Stadtverwaltung und der WasserNord bestand die Möglichkeit, sich gezielt nach Maßnahmen in Krisensituationen zu erkundigen und Fragen an das Fachpersonal zu richten. Auch die Nachbargemeinde Birkenwerder war mit der eigenen Freiwilligen Feuerwehr vor Ort vertreten. Begleitend dazu fanden das Jugend-Planspiel „Blackout – 72 Stunden ohne Strom“ im Rathausinnenhof sowie das Vortragsprogramm im Ratssaal statt.
Die fünf Fachvorträge behandelten unterschiedliche Aspekte der Krisenbewältigung. Die Kernaussagen aller Referentinnen und Referenten gingen in die gleiche Richtung: Staatliche Strukturen bereiten sich auf Notlagen vor, eine wirkliche Krisenfestigkeit der Gesellschaft lässt sich jedoch nur erreichen, wenn die Menschen selbst Verantwortung übernehmen, privat vorsorgen und sich gegenseitig helfen.
1 Zusammenarbeit des Landkreises Oberhavel mit den Kommunen im Katastrophenfall
Katja Hermann, Dezernentin für Service, Mobilität und Sicherheit des Landkreises Oberhavel, erläuterte die Zuständigkeiten und die partnerschaftliche Koordination bei großflächigen Gefahrenlagen, bei denen die gemeindlichen Kapazitäten – beispielsweise bei ausgedehnten Waldbränden – nicht mehr ausreichen. Im Katastrophenfall trägt der Landkreis die Verantwortung und hat die Kommunen in Oberhavel beauftragt, sogenannte Katastrophenschutzleuchttürme einzurichten. Es wurde betont, wie wichtig offizielle Warnmittel wie die Katwarn-App sind, aber auch, dass funktionierende Nachbarschaften und die eigene Vorbereitung im Ernstfall eine tragende Säule bilden.
2 Resilienz und Amtshilfe – über zivilmilitärische Zusammenarbeit
Die Offiziere der Bundeswehr, Oberstleutnant Clemens Meyer und Oberstleutnant der Reserve Chris Stüber zeigten auf, wie das Kreisverbindungskommando zivile Behörden im Rahmen der Amtshilfe unterstützt, etwa durch Hubschrauber bei der Waldbrandbekämpfung. Gleichzeitig wurde deutlich gemacht, dass angesichts einer veränderten sicherheitspolitischen Bedrohungslage die gesamtgesellschaftliche Zusammenarbeit, der kritische Umgang mit Desinformationen und die persönliche Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung an Bedeutung gewinnen.
3 Das Technische Hilfswerk (THW) – krisenfester Partner im Zivil- und Katastrophenschutz
Finja Berger, zuständig für Einsatz/KRITIS, präsentierte das THW als weltweit einmalige Einrichtung, da sie als Bundesanstalt zu 98 Prozent vom Ehrenamt getragen wird. Eine Kernaufgabe ist es, die Handlungsfähigkeit der Gesellschaft bei Ausfällen der kritischen Infrastruktur zu unterstützen und bei Katastrophen zu helfen. Der Vortrag richtete den Appell an die Zuhörerschaft, sich durch Vorsorge, Engagement und Selbstschutz als aktiver Partner des Bevölkerungsschutzes einzubringen.
4 Wasser – wertvoll, lebenswichtig, selbstverständlich. Bis es fehlt. Warum Trinkwasser zu den wichtigsten Infrastrukturen unseres Alltags gehört.
Ariane Fäscher, Geschäftsführerin WasserNord, gab Einblicke in die exzellente Trinkwasserversorgung vor Ort, sensibilisierte aber für die Auswirkungen eines Stromausfalls auf die Abwasserentsorgung. Während die Wasserversorgung krisenfest aufgestellt ist, muss die Abwasserproduktion bei einem Blackout sofort drastisch reduziert werden, um Havarien und Infektionsgefahren durch überlaufendes Abwasser zu vermeiden. Zudem erinnerte sie an die Pflicht von Hauseigentümern, anfallendes Regenwasser auf dem eigenen Grundstück zu versickern, um Schaden an den Abwassernetzen zu verhindern. Außerdem wurde auf die Möglichkeit des Aufbaus eines häuslichen Trinkwasservorrats mit Leitungswasser in Kanistern hingewiesen.
5 Information, Austausch und Vernetzung ehrenamtlicher Unterstützungskräfte für die Katastrophenschutz-Leuchttürme und -Informationspunkte der Stadt Hohen Neuendorf
Die Stadtverwaltung stellte die im Aufbau befindlichen Katastrophenschutzleuchttürme und Info-Punkte vor. Diese dienen bei flächendeckenden Krisen als Anlaufstellen zur Information, für Erste Hilfe, zum Aufwärmen von Baby- und Kleinkindnahrung und zum Absetzen von Notrufen – eine Ausgabe von Lebensmitteln ist dort nicht vorgesehen. Für den Betrieb dieser KatSchutz-Türme in den Bereichen Kommunikation, Erste Hilfe und Technik wurde um ehrenamtliche Unterstützung aus der Einwohnerschaft geworben. Weitere Interessierte für dieses Ehrenamt können sich gerne an die Stadt wenden unter katastrophenschutz@hohen-neuendorf.de und am 7.10. um 19 Uhr im Ratssaal an einer Wiederholung dieses Vortages teilnehmen.
Die Zielsetzung der Veranstaltung – Aufklärung, Sensibilisierung und Vernetzung der Akteure – wurde erreicht. Ereignisse wie Sabotageakte, Extremwetter oder schwere Unfälle haben das Potenzial, Versorgungsnetze wie Strom, Wasser und Telekommunikation zu unterbrechen. Eine Vorbereitung nimmt in solchen Situationen Unsicherheit und schützt vor unüberlegtem Handeln. Zugleich entlastet eine eigenständig handelnde Bevölkerung die staatlichen Krisenstäbe und Rettungskräfte.
Es bleibt die Empfehlung an alle Haushalte, sich für Ausnahmesituationen zu wappnen. Ein Notvorrat ist ein wichtiger Baustein, um bei Versorgungsengpässen, Stromausfällen oder Wetterereignissen über die Runden zu kommen. Weiterführende Hinweise zur Zusammensetzung eines solchen Vorrats, Tipps zur Vorsorge und Handlungsempfehlungen bietet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe unter www.bbk.bund.de/vorsorge. Entsprechendes Informationsmaterial liegt zudem zur kostenfreien Mitnahme im Rathaus aus.
