„Wildwuchs“ statt Schulrasen

Hohen Neuendorf vergibt offizielle Grünpatenschaften
Oliver Schub ist Hohen Neuendorfs erster offizieller Grünpate. Klimaschutzmanagerin Heiderose Ernst freut’s.


(31.05.2021) 
Neben Baumpatenschaften und Bewässerungspatenschaften für junge Straßenbäume besteht in der Stadt Hohen Neuendorf nun auch die Möglichkeit einer Grünpflegepatenschaft. „Hier geht es um das Straßenbegleitgrün oder andere kommunale Grünflächen in der Nähe der eigenen Wohnung“, erläutert Hohen Neuendorfs Klimaschutzmanagerin Heiderose Ernst. Um die Verkehrssicherheit nicht zu beeinträchtigen, dürfen die Pflanzen nicht zu hoch wachsen: Blühpflanzen und niedrige Stauden sind erlaubt, Bäume, tiefwurzelnde Pflanzen, Gehölze oder Hecken hingegen nicht. Auch Umzäunungen, Poller, Aufbauten oder Steine sind nicht gestattet.

Heimische Pflanzen als Grundstein der Nahrungskette

Wie vielfältig die Gestaltungsmöglichkeiten trotz dieser Einschränkungen sind, beweist Oliver Schub. Der 52-jährige Diplom-Chemiker ist Hohen Neuendorfs erster offizieller Grünpate. Mit 100 Quadratmetern ist das Straßenbegleitgrün vor seinem Haus in der Waldstraße überdurchschnittlich groß. Mehr als 50 Arten heimischer Blumen und Pflanzen sind hier zu finden, ein Paradies für viele Insekten.

„Alle reden von Biodiversität, aber nur wenige tragen aktiv dazu bei“, bedauert der gebürtige Bayer. Dabei bildet eine vielfältige, blühende Pflanzenwelt die Grundlage der Nahrungskette über Insekten, Amphibien, Vögel und Säugetiere inklusive dem Mensch. „Wir hätten soviel Potenzial mit unseren Gärten. Statt dessen prägen Schulrasen, Forsythien, Kirschlorbeer und Thujahecken das grüne Stadtbild. Doch diese sind völlig wertlos für Insekten“, so Schub. Selbst Gänseblümchen, die als eine der ersten Pflanzen lebenswichtige Nahrung für Insekten im Frühjahr bieten, würden mitten in der Blüte abgemäht, hat er beobachtet. Die Antwort auf seinen Hinweis: „Sonst beschweren sich doch die Nachbarn.“

Mit gutem Beispiel vorangehen

Doch was für viele große Stadtbewohner „ungepflegter Wildwuchs“ vor einem vermeintlich leerstehenden Haus ist, ist für die kleinsten Lebewesen wesentliche Existenzgrundlage. So lege der Zitronenfalter seine Eier nur am Faulbaum und am Kreuzdorn ab, erläutert Naturgärtner Schub. Fehlen heimische Pflanzen, sterben in der Folge auch heimische Tierarten aus.

„Als Stadt unterstützen wir die blühenden Straßenränder nun offiziell“, verdeutlicht Klimaschutzmanagerin Ernst und hofft, dass sich möglichst viele Nachahmer finden. Als Anregung für die Nachbarn und als Information für den Bauhof, hier nicht zu mähen, weist zukünftig ein Patenschaftsschild die betroffene Fläche als „bewirtschaftet“ aus.

Grünpatenvertrag zum Download auf Internetseite

„Im Übrigen gilt es in Hohen Neuendorf seit Kurzem als Ordnungswidrigkeit, auf einer Grünfläche zu parken“, so Ernst. Auch dies ist eine Maßnahme für mehr Klimaschutz in der Stadt.

Wer ebenfalls Grünpate werden möchte, kann hier den Patenschaftsvertrag herunterladen, ausfüllen und an die Hohen Neuendorfer Klimaschutzbeauftragte per Mail an gruenpaten@hohen-neuendorf.de schicken. Informationen zu weiteren Patenschaften sowie eine Übersicht über heimische, standortgerechte Pflanzen (PDF unten) finden Sie ebenso auf der Internetseite.

Hier pflegen Grünpaten