"Zentrumsentwicklung für die ganze Stadt"

Bürgerforum in der Grundschule Niederheide

Hoher Zuzugsdruck, rasant steigende Bodenpreise und erhöhte Verkehrsbelastungen auf der einen, der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum und mehr Erholungsflächen auf der anderen Seite möchte Hohen Neuendorf mit einer Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme begegnen. Diese und ihre möglichen Auswirkungen auf das Stadtleben wurden beim Bürgerforum „Zentrumsentwicklung für die ganze Stadt“ am 12. Februar in der Aula der Grundschule Niederheide skizziert und offen diskutiert. Die Vorbereitung zu einer Entwicklungsmaßnahme befindet sich aktuell in der Planungsphase. Die Podiumsgäste brachten die etwa 200 Besucher der Veranstaltung deshalb auf den aktuellen Arbeitsstand der Planungen.

Wohnraum für 2075 Menschen, zukunftsfähige Verkehrskonzepte, mehr Grün

Bauamtsleiter Hans Michael Oleck stellte zunächst kurz die Ergebnisse der vorangegangenen zwei Bürgerveranstaltungen zu den vier Teilflächen auf beiden Seiten der Oranienburger Straße / B96 vor, auf denen bis zu 910 Wohneinheiten für verschiedene Wohnformen und in unterschiedlichen Bauformen in den nächsten 20 Jahren entstehen könnten.

Wo die Bevölkerung wächst, muss zwingend auch die Infrastruktur weiterentwickelt werden. Pläne dafür erläuterte Verkehrsplaner Winfried Müller-Brandes: „Um hohe Wohnqualität zu gewährleisten, sollen die Wohnbereiche selbst ruhig bleiben. Durch Anreize für einen Verzicht auf das eigene Auto  wie neue Stadtbuslinien mit Nachbargemeinden, neue Radwege und attraktiveren Bahnverkehr, erreichen wir, dass die B96 nicht überlastet wird. Wir werden außerdem auf ein Tempolimit von 30 km/h auf der B 96 drängen, um den Lärm zu verringern.“

Landschaftsarchitektin Birgit Hammer stellte heraus, dass ein Drittel der Planflächen für öffentliche Grün- und Erholungsflächen für alle Hohen Neuendorfer vorgesehen sind. Nicht nur der Ausbau des Parks am Wasserturm sowie die Schaffung eines Mischwaldes, wo aktuell Nadelbäume stehen, sondern auch viel Grün in den Wohngebieten selbst würden den erholsamen Charakter des Stadtzentrums noch deutlicher hervorbringen.

„Bauen wir für Berlin?“

 Skepsis, Zuspruch und Unmut wechselten sich in der anschließenden offenen Diskussion bei den anwesenden Bürgern ab. Während ein Gast die ambitionierten Pläne lobte, etwas zu schaffen, wo jetzt „ein leerer Donut“ sei, wurde vielfach Sorge zum Ausdruck gebracht, dass die Stadt durch weitere Bebauung überfordert werde. Sowohl angesichts des Verkehrs, als auch hinsichtlich der sozialen Infrastruktur. „Bauen wir für Berlin?“, lautete eine Frage. Bürgermeister Steffen Apelt betonte daher, dass das Städtebauliche Entwicklungskonzept für einen Zeitraum von 20 Jahren ausgelegt ist, was ein geregeltes Wachstum und flexible Lösungen möglich mache. „Natürlich sind wir attraktiv für Berlin, aber wir können niemandem die freie Wohnortwahl verbieten. Wir wollen aber in der Lage bleiben, den ausufernden Wohnpreisen mit kommunalem, sozial gefördertem Wohnungsbau zu begegnen. Das tun wir vor allem für unsere Einwohner, die andernfalls keine bezahlbare Wohnung finden“, so Apelt. Hans Michael Oleck ergänzte: „Wir wollen die Kontrolle darüber haben, was auf den vier Teilflächen passiert. Das ist mit unserem Konzept möglich. Andernfalls entscheiden private Investoren und Spekulanten darüber, wohin unsere Stadt sich entwickelt.“

 Unklarheit gab es bei einigen Gästen auch über die Zukunft der Himmelspagode. Apelt erläuterte: „Hohen Neuendorf kann und will die Pagode nicht entfernen. Allerdings steht der Eigentümer einer nachhaltigen Entwicklung seiner Fläche nicht entgegen und zeigt sich auch gegenüber möglichen baulichen Veränderungen aufgeschlossen.“ Im Anschluss an die Diskussion lud Apelt alle Gäste ein, sich auch weiterhin in die Gestaltung ihrer Stadt einzubringen. Möglichkeiten dazu werde es noch viele geben, da man aktuell erst im Planungsprozess sei.