Stadtrundgang durch die Brille eines Mathematikers

Hohen Neuendorf | Eine Stadtführung der besonderen Art entwickelte ein Mathe-Projektkurs vom Marie-Curie-Gymnasium. Unter Leitung von Mathelehrer Marcus Wagner erarbeiteten 17 Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 10 während einer Projektwoche einen Audioguide, der mathematische Phänomene an Hand ausgesuchter Stationen in Hohen Neuendorf erklärt.

Ole, Pia und Niclas mit Mathe-Lehrer Marcus Wagner (v.r.)

So dient der Billardtisch im Wasserwerk zur Erläuterung von Dreieckszahlen, an der Station „Lottoannahmestelle“ geht es um Wahrscheinlichkeitsrechnung, wer sich die Pflasterung mancher Gehwege näher anschaut, entdeckt die Parkettierung. Mit den Wasserfontänen an der Himmelspagode erklären die Schüler dem Zuhörer, was Parabeln sind. Die Kirchturmuhr liefert das Anschauungsmaterial für das Duodezimalsystem. An Hand von Hydrantenschildern lassen sich Koordinatensysteme beschreiben und ein Wohnhaus in der Puschkinallee weist den Goldenen Schnitt, den Inbegriff für perfekte Proportionen, auf.

„Die insgesamt 17 Stationen sind so ausgewählt, dass sie einen kleinen Rundkurs mit Start vom Wasserwerk ergeben“, erläutert Marcus Wagner, der die Idee für die Stadtrallye aus Gießen mitgebracht hatte. Denn zwischen 2002 bis 2007 arbeitete Wagner im Mathe-Museum „Mathematikum“, wo er die mathematische Stadtführung mitentwickelte. Mit dem auf Hohen Neuendorf angewandten Projekt wollte er seinen Schülern zeigen, dass Mathematik nicht nur aus Rechnen besteht, sondern viel mit Strukturen, Formen und Mustern zu tun hat. Die Schüler betrachten auf dem Rundgang alltägliche Dinge durch die Brille eines Mathematikers. Dank der aufgenommenen Audiodateien im mp3-Format können auch andere Interessierte auf Entdeckungstour gehen und sich die mathematischen Phänomene auf allgemeinverständliche Weise von den Schülern erklären lassen.

Während sich viele Beispiele auf alle Städte anwenden lassen, hat Marcus Wagner in Hohen Neuendorf bereits eine Besonderheit entdeckt: „Die Bienenskulptur am Bahnhof ist pure Mathematik“, schwärmt der Lehrer. „Sie ist ein tolles Beispiel für Polarkoordinaten“. Dass der 36-Jährige mit Leib und Seele Mathematiker ist, verrät auch ein Tattoo am rechten Arm: Neun rote Striche symbolisieren die Fibonacci-Zahlenfolge, die als Muster unter anderem in Wachstumsvorgängen in der Natur vorkommt. Zum Beispiel in Kiefernzapfen, die ebenfalls eine Station in der mathematischen Stadtführung bilden.

Wer sich auf die mathematische Stadtführung begeben will, kann die mp3-Dateien inklusive Übersichtsplan unter http://www.curiegym.de/index.php?page=1099 herunterladen.