Wasser Nord mit neuem Geschäftsführer

(07.04.2017)  Mit der politischen Wende Anfang der 1990er Jahre gingen Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung der ehemaligen DDR wieder in kommunale Zuständigkeit über. In Hohen Neuendorf zeichnete fortan die am 19.12.1994 gegründete Wasser Nord GmbH und Co. KG für die Trinkwasserversorgung in den S-Bahn-Gemeinden verantwortlich.

Nach 23 Jahren geht Gründungsmitglied und Geschäftsführer Hans-Joachim Wagner zum 1.5.2017 in den Ruhestand. Wir sprachen mit ihm und Nachfolger Olaf Bennühr (Foto: r.) über die Geschichte und die Zukunft des Unternehmens.

Herr Wagner, was sind Ihre größten Erfolge als Geschäftsführer der Wasser Nord?
Hans-Joachim Wagner: Ich betrachte das Gesamtprojekt „Wasser Nord“ als einen großen Erfolg - aber nicht als allein meinen, sondern als Erfolg unserer Mitarbeiter, unseres Führungsteams mit Reinhard Wolff als Technischem Leiter und Karola Wagner als Kaufmännischer Leiterin und von Peter Weber, der bis 2004 als zweiter Geschäftsführer  tätig war. Wir haben ein Versorgungsgebiet, einen Preis, der seit 1998 stabil gehalten werden konnte, eine gute Qualität des Wassers und einen ständig steigenden Service.

Wie konnten Sie den Preis stabil halten?
Wagner: Dafür gibt es drei wesentliche Faktoren: Das Bevölkerungswachstum, unsere Gesellschafter und unsere Mitarbeiter. Die Einwohnerzahl in den S-Bahn-Gemeinden hat sich seit 1995 nahezu verdoppelt, und damit auch der Trinkwasserabsatz. Unsere Gesellschafter erheben keine Konzessionsabgabe und verzichten auf eine Gewinnausschüttung. Und unsere Mitarbeiter tragen maßgeblich zur Effizienz des Unternehmens bei. Dadurch konnten wir die inflationären Einflüsse wie gestiegene Material-, Energie- und Lohnkosten erfolgreich auffangen.

Wie gewährleisten Sie die Qualität des Trinkwassers?
Wagner: Wir beziehen das Trinkwasser aus dem Wasserwerk Stolpe. Das speist sich aus dem Berlin-Warschauer Urstromtal und zeichnet sich durch geringe Natrium-, Nitrat- und Flourwerte aus. Auf Grund der hohen Qualität des Rohwassers können wir auf die Zugabe von Chemikalien wie Chlor oder Ozon komplett verzichten. Wir bieten damit eines der besten Lebensmittel, direkt zum Verbraucher nach Hause.
 
Herr Bennühr, seit dem 1. März sind Sie ebenfalls Geschäftsführer der Wasser Nord an der Seite von Herrn Wagner. Wie ist ihr bisheriger Eindruck vom Unternehmen?
Olaf Bennühr: Meiner erster Eindruck bestätigt meine Grundannahme zur Bewerbung: dass es sich bei der Wasser Nord um ein sehr stabiles und gut aufgestelltes Unternehmen handelt. Ich bin unheimlich froh, hier gelandet zu sein und sehr dankbar für den offenen und herzlichen Empfang.
 
Was haben Sie vorher beruflich gemacht?
Bennühr: Ich war knapp 16 Jahre Werkleiter der Gemeindewerke Malente in Schleswig-Holstein. Wir haben 11.000 Kunden sowie eine halbe Million Touristen jährlich mit Trinkwasser versorgt.
 
Was sind Ihre Ziele für die Wasser Nord?
Bennühr: Mein Anspruch ist es, den erfolgreichen und zukunftsorientierten Kurs des Unternehmens fortzusetzen. Dabei hat für mich die Kundenzufriedenheit oberste Priorität. Die erste sichtbare Veränderung wird es mit der neuen Raumkonzeption geben, die unseren Kunden und Besuchern bei der Wasser Nord eine bessere Orientierung geben soll. Den Kundenservice möchte ich ebenso verstärken wie die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens.
Auf die Herausforderungen freue ich mich sehr!

Zahlen und Fakten

Die Wasser Nord hat vier Gesellschafter: Die Stadt Hohen Neuendorf, die Gemeinde Glienicke/Nordbahn, den Zweckverband Fließtal (zusammen 51 Prozent) und die Berliner Wasserbetriebe (49 Prozent). Zentrale Aufgabe des Unternehmens ist die Sicherstellung und der Ausbau der Trinkwasserversorgung. Die Wasser Nord übernimmt aber auch Aufgaben im Bereich der Schmutzwasserentsorgung für die Gesellschafter, z.B. die kaufmännische und technische Betriebsführung für den Eigenbetrieb Abwasser der Stadt Hohen Neuendorf und die technische Betriebsführung der Schmutzwasseranlagen in Glienicke. Ein Großteil der Trinkwasserleitungen wurde zwischen 1930 und 1935 verlegt und in den letzten zwei Jahrzehnten im Rahmen einer "Investitionsstrategie" sukzessive erneuert.

                                               1995                2004               2016
Einwohner:                      29.986            48.891          58.872
Rohrnetz:                          230 km          315 km         350 km
Hausanschlüsse:            12.821           16.407           19.308
Rohrschäden p.a.:         > 300                                       23
Wasserverlust:                 31 %             < 6 %               5,2 %
Wasserabsatz (m³):      1,4 Mio.          2,7 Mio.        2,9 Mio.
Grundpreis/Tag:            0,18 DM                                  0,21 Euro 
Mengenpreis (m³):        2,90 DM                                  1,56 Euro
Pro-Kopf-Verbrauch:   136,3 Liter pro Tag (2016)